Andachtsnewsletter Nordraum

Herzlich Willkommen beim Andachtsnewsletter des Nordraums Reutlingen.

Dieser Andachtsnewsletter möchte Sie durch die diese bewegte Zeit begleiten.

Immer mittwochs und sonntags finden hier eine Andacht einer Pfarrerin oder eines Pfarrers. Möchten Sie den Newsletter gerne per Mail erhalten, melden Sie sich bitte bei Pfarrerin Inga Kaltschnee (Sickenhausen) per Mail (Inga.Kaltschneedontospamme@gowaway.elkw.de).

Sollten Sie sonntags ein gedrucktes Exemplar wünschen, melden Sie sich bitte bei Zeit bei uns vor Ort im Pfarramt Oferdingen (Telefon: 07121/620610; E-Mail: Pfarramt.Oferdingendontospamme@gowaway.elkw.de).

Viel Freude beim Lesen!

Die aktuellen Andachten

  • add Andacht zum 10. Juni 2020 (Jonathan Hörger-Jebe)

    Bildnachweis: Heinrich Bünting, Die Welt als Kleeblatt, lizenziert als gemeinfrei, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_B%C3%BCnting#/media/Datei:1581_Bunting_clover_leaf_map.jpg, 09.06.2020, 19.00 Uhr.

    »Sehnsucht« – wir alle kennen dieses Gefühl, diesen unbändigen Wunsch und dieses unbändige Verlangen nach einer Person, einer Sache, einem Zustand oder einem gewissen Zeitpunkt.

    »Sehnsucht« empfindet jeder von uns anders, die einen stärker, die anderen schwächer. Und auch das Ziel dieser Sehnsucht ist bei jedem von uns unterschiedlich.

    Wohin schlägt Ihre Sehnsucht? Wonach sehnen Sie sich im Moment? Nach noch mehr Rückkehr zur Normalität? Nach Familien und Freunden? Nach gelingender Gemeinschaft in unserer Welt, die von Hass, Gewalt und Rassismus zerrissen ist?

    »Sehnsucht« ist greifbar – das spüren wir sowohl unmittelbar in den Zusammenhängen unseres eigenen als auch im öffentlichen Lebens. Doch kann sie in unserem Leben auch Erfüllung finden – oder muss sie gänzlich unerfüllt bleiben?

     

    In den bildhaften und tiefgründigen Worten des biblischen Psalters werden die Sehnsüchte des Menschen in ihren ganz verschiedenen Dimensionen und in all ihren Facetten vor Gott gebracht. So auch die Sehnsucht des Psalmbeters von Psalm 84 nach dem Berg Zion und seinem Tempel. Zum Tempel, wo Gott präsent und gegenwärtig ist. Gerade deshalb ist der Zion mit seinem Tempel als Mitte der Gottesstadt bis zu seiner Zerstörung das Lebenszentrum des alten Israels schlechthin geblieben: Weil Gott an diesem Ort präsent und gegenwärtig ist, gehen von ihm Sicherheit, Schutz und Hilfe, Fruchtbarkeit und Wohlstand, Schönheit, Gerechtigkeit und Frieden für Stadt, Land und Leute aus.

    Deshalb verschmachtet der Psalmbeter mit „Leib und Seele“ in Sehnsucht „nach den Vorhöfen des HERRN“ und nach „dem lebendigen Gott“ (Ps 84,3). Das, was für ihn zählt und wonach er sich sehnt, ist einzig und allein die Nähe zu Gott, seinem Schöpfer – nach ihm allein sehnen sich all seine sehnsuchtsvollen Gedanken, denn er ist ihm die immer wieder neu aufgehende Quelle, die den Beter in seinem Alltag und seinen Sorgen speist und belebt (vgl. Ps 84,12).

    »Sehnsucht« ist greifbar – das spüren wir auch unmittelbar bei unserem Psalmbeter, der fernab und weit entfernt vom Zion lebt. Doch kann sie in seinem Leben auch Erfüllung finden – oder muss sie gänzlich unerfüllt bleiben?

     

    Nein – trotz der räumlichen Distanz, die zwischen ihm und dem Zion als Ziel seiner Sehnsucht liegt, bleibt diese Sehnsucht des Psalmbeters gerade nicht unerfüllt.

    Indem sich seine ganze Existenz, sein ganzes Menschsein, sein ganzes Handeln, Denken und Fühlen um diese Sehnsucht nach dem Zion drehen, so ist er, wenn auch nicht wirklich, aber doch mit dem Herzen zum Ort der Gegenwart Gottes unterwegs. Und gerade darin findet auch seine Sehnsucht ihre Erfüllung: Denn glücklich sind die Menschen, deren Herz von der Vorstellung erfüllt ist, ihr ganzes Leben als Pilgerweg zum lebendigen Gott zu gestalten – und gerade darin finden sie Kraft und Stärke (Ps 84,6): „Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln!“ Echte Sehnsucht setzt ungeahnte Kräfte frei: Für das Hier und Jetzt, für den ganz persönlichen Lebensweg.

    »Sehnsucht« ist greifbar und kann im Leben Erfüllung finden. das spüren wir bei unserem Psalmbeter: Von ihr können ungeahnte Kräfte ausgehen, die eine innere Stärke erwachsen und alle Resignation überwinden lassen. Ungeahnte Kräfte, die auch wir in den Zusammenhängen unseres eigenen und öffentlichen Lebens spüren dürfen.

     

    Doch wir merken nur allzu leicht, wie unsere Sehnsucht oftmals von jetzt auf gleich ins Gegenteil umschlagen kann. Oftmals macht sich Resignation breit – und gerade da braucht es auch für uns einen Ort der Sehnsucht, an dem Leib und Seele innehalten, zur Ruhe und zu sich selbst kommen können: Fernab von den alltäglichen Gedanken, die Sorge bereiten, von allen Verpflichtungen, Erwartungen und von allem Trubel der Welt. Einen Ort, der die Chance und den Raum im Leben für Begegnung mit dem lebendigen Gott bietet: Orte, wie unsere Gottesdienste, Bibelworte oder Zeiten der persönlichen Einkehr. Sie bieten Platz, Gelingendes und Nichtgelingendes, Lob und Klage vor Gott zu bringen. Sie halten unsere Hoffnung wach, ja sie können unsere Sehnsucht nach gelingendem Leben, nach Gerechtigkeit für diese Welt immer wieder neu wecken und entfachen. Sie wollen unsere Freude an und unser Vertrauen auf den lebendigen Gott stärken, um mit neuem Mut und neuer Zuversicht auf unseren Lebenswegen gehen zu können. Weil sie durch die biblische Botschaft ungeahnte Kräfte freisetzen können, die in uns eine innere Stärke erwachsen und all unsere Resignation überwinden lassen – und uns so ermutigen, in und an der Welt wie derjenige zu handeln, der im Johannesevangelium von sich selbst als neuem Tempel und als neuem Ort der Gottesgegenwart gesprochen hat: Jesus Christus.

    Amen.

  • add Hausgottesdienst zum 14. Juni 2020 (Waltraud Mohl)

    Ankommen

    Ich entzünde eine Kerze

    Die Glocken läuten. Ich höre zu und werde ruhig.

    Ich spreche: Im Namen Gottes des Vaters und es Sohnes und des Heiligen Geistes.

    Amen.

     

    Beten

    Barmherziger Gott, ich komme zu dir.

    Du bist der Herr über die ganze Welt und auch über alles, was mich bewegt.

    Ich lege die Menschen an dein Herz, an die ich heute besonders denke: ---

    Ich lege die Gedanken an dein Herz, die mich heute besonders bewegen: ---

    Ich bringe vor dich, worüber ich mich heute freue: ---

    Ich danke dir.

    Amen.

     

    Lied: EG 440 All Morgen ist ganz frisch und neu

     

    Predigttext Apostelgeschichte

    4, 32 – 37 und Gedanken dazu

     

    All die vielen Menschen, die zum Glauben an Jesus gefunden hatten, waren ein Herz und eine Seele. Niemand von ihnen betrachtete etwas von seinem Besitz als persönliches Eigentum; alles, was sie besaßen, gehörte ihnen gemeinsam. Mit großer Kraft und bestätigt durch Wundertaten bezeugten die Apostel Jesus als den auferstandenen Herrn, und für alle sichtbar lag großer Segen auf der ganzen Gemeinde. Es gab unter ihnen niemand, der Not leiden musste. Denn die in der Gemeinde, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften sie, wenn es an etwas fehlte, brachten den Erlös herbei und legten ihn vor den Füßen der Apostel nieder. Das wurde dann unter die Bedürftigen verteilt. So machte es auch Josef, ein Levit aus Zypern, den die Apostel Barnabas nannten, das heißt »der Mann, der anderen Mut macht«. Er verkaufte seinen Acker, brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

     

    Faszinierend und irgendwie unglaublich ist diese Geschichte: Sie teilen alles, was sie haben, die Menschen in den ursprünglichen christlichen Gemeinden. Und das Ergebnis ist: niemand leidet Not. Alle haben genug.

    Niemand schwelgt im Überfluss und niemand muss Not leiden.

    Es gibt Untersuchungen, die besagen: wenn die Nahrungsmittel auf unserer Welt gerecht verteilt wären, müsste niemand auf der Welt hungern. Es ist genug für alle da. Man muss es nur gerecht verteilen.

    „Nur“ gerecht verteilen. Als ob das so einfach wäre. Schon die Apostelgeschichte weiß, dass das eben nicht so einfach ist. Die Geschichte direkt nach unserem Text erzählt von Hananias und Saphira, die etwas von ihrem Eigentum ganz privat für sich zurück halten. Ich kann die beiden gut verstehen – alles Teilen ist nicht leicht – aber Petrus urteilt: „Du hast dein Herz dem Satan geöffnet.“ Für Petrus ist es ganz klar: Daran, wie ich mit meinem Eigentum umgehe, zeigt sich, wer in meinem Herzen wohnt, Christus oder sein Widersacher.

    Petrus hat das Bekenntnis Israels im Sinn:

    „Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt.“ Und Jesus fügte dem ein weiteres Gebot Israels hinzu: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

    Unser Herz soll erfüllt sein von Liebe zu Gott und zu unserem Nächsten. Wo die Liebe ist, halte ich nichts zurück, da gebe ich alles.

    Wo ich etwas zurück halte, erfüllt nicht die Liebe zu Gott und zu meinem Nächsten mein Herz, sondern da gebe ich auch noch einem anderen Raum: dem Satan.

    Das klingt hart. Aber Petrus ist sich da ganz sicher:

    Wer Gott liebt und seinen Nächsten wie sich selbst, der ist frei von der Sorge um sich selbst und frei von Eigennutz. Wer sein Herz öffnet für Gott, der öffnet zugleich seine Hände für seinen Nächsten. Wenn das alle in einer Gemeinde tun, muss niemand Not leiden. Genau das wünscht Christus seiner Gemeinde:

    Niemand soll Not leiden.

    Und wenn weltweit alle das täten, müsste auf der ganzen Welt niemand Not leiden.

    Wie weit sind wir davon entfernt.

    Wie schwer ein gerechtes Teilen ist, wird in den heutigen Tagen besonders deutlich. Viele Menschen, viele Firmen und Unternehmen verlieren durch die Corona - Krise ihre

    Existenzgrundlage – aber gefördert werden in erster Linie die mit einer starken Lobby.

    Und mit wem teile ich selbst?

    In der Urgemeinde, so erzählt der Text, betrachtet niemand etwas als seinen Privatbesitz. Allen gehörte alles. – Ich selbst bin aber froh über das, was mir persönlich gehört.

    Ich bin weit weg von der urchristlichen Sicht der Besitzverhältnisse: Allen gehört alles.

    Die Apostelgeschichte ist eine Herausforderung: Sie bestätigt uns nicht in dem, was wir sowieso tun, sondern sie fordert uns heraus, neue Wege zu gehen, neue Maßstäbe zu finden und ganz und gar zu lieben.

    Wo wir uns dieser Herausforderung stellen, kann sogar in der Krise heute eine Chance zur Veränderung zum Guten liegen.

    Wo es uns nicht gelingt – und das wird oft der Fall sein – da dürfen wir uns umso mehr an Christus halten. Er kennt unsere Schwäche. Er liebt uns mit allen unseren Schwächen. Er lockt uns immer wieder neu auf neue Wege in die Richtung hin zum Reich Gottes, das kommt.

     

    Wochenlied 382

    Von Gott will ich nicht lassen

     

    Fürbitte:

     

    Barmherziger Gott,

    In deine Hände lege ich, was mich bewegt:

    Meine Sorge um meine Familie und um meine Freunde: Du hältst sie.

    Mein Herz: öffne es für die Menschen, die mich brauchen.

    Meine Hände: Mache sie freigiebig, um Not zu lindern.

    Die vielen Menschen, die unter Not leiden: weil sie krank sind, oder weil sie kein Zuhause haben. Weil sie Hunger haben oder unter Gewalt leiden. Weil sie keine Perspektiver sehen für sich selbst und für die Menschen, die sie lieben: erbarme dich ihrer.

    Barmherziger Gott, du bist der Herr der Welt. Erfülle die ganze Welt mit deinem Segen.     Amen.

     

    Segen:

    Gott segne dich und behüte dich.

    Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

    Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden. Amen.

     

    Musik / Stille – Kerze auspusten